Freitag, 3. August 2012
Die zarte Ukrainerin aus Bissendorf - Wietze
Am Beginn der Fußgängerzone in der gedachten Dorfmitte steht ein Baum, dessen Stamm ringsum von einer Endlosbank mit sechs Ecken umkränzt ist. Auf einer dieser Ecken sitzt an diesem Sommernachmittag locker entspannt eine elfenschlanke Frau im himmelblauen, sehr kurzen Feinstoffkleid. Sie hat schwarzes, mittelanges Haar, das sie gescheitelt trägt, schaut aus warmen Augen lächelnd in die Welt.
Auf ihren unglaublich appetitlichen, haarlosen, wie porenfrei wirkenden, nackten Schenkeln schaut eine kleine Kopie desselben Gesichtes erstaunt aus seinem Babykörper: Ihre 15 Monate alte Tochter in babyrosa gekleidet. Eis mümmelnd, - aus der italienischen Diele gegenüber.
Wohl gelaunt wirken Mutter und Kind. Winzige Krümelreste des gebackenen Eistütchens finden sich im Gesichtchen links und rechts vom niedlichen Kindermund. Mutti wischt ab und zu. Liebevoll.
Die ist sehr gepflegt, ihre Fußnägel sind farbig lackiert und stecken in bunten Sommerschuhen mit Keilabsätzen. Ihr femininer Körper mag einen Meter siebzig hoch sein.
Auf dem Fahrrad mit Kindersitz ist sie an diesem warmen Tag unterwegs erklärt sie in leicht unbeholfenem Deutsch. Und freut sich über das Wunder der hiesigen Freiheit: Zum Beispiel auf dem Zweirad. Denn in der Ukraine wäre es zu lebensgefährlich. Auf dem Rad. In der Stadt. Oder gar auf dem Land. Einer Landstraße. Überfälle drohten überall. Nicht auszudenken. Sie funkelt. Glücklich. Ist wohl gern Mutter und gern hier.
Als die Rede auf weitere Kinder kommt, bleibt ihr Gesichtsausdruck strahlend, zärtlich, hoffend, euphorisch.
Schön.
3. August 2012
© Karl Wilhelm Goebel

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